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Burg Hohenzollern

Burg Hohenzollern

📍 Bisingen, Deutschland 📅 Gebaut im Jahr 1867

Die Burg Hohenzollern ist der Stammsitz des kaiserlichen Hauses Hohenzollern, der Dynastie, die die Könige von Preußen und die deutschen Kaiser hervorbrachte. Auf dem Gipfel des Hohenzollern auf einer Höhe von 855 Metern gelegen, dominiert sie die Landschaft der Schwäbischen Alb. Mit ihren vielen Türmen und Befestigungen gilt sie weithin als eine der schönsten Burgen Deutschlands und rivalisiert mit Neuschwanstein an Pracht und wird oft als die "Krone der Schwäbischen Alb" bezeichnet.

Eine Geschichte von drei Burgen: Von mittelalterlicher Festung zum neugotischen Meisterwerk

Die heutige Burg ist eigentlich die dritte, die an dieser strategischen Stelle steht, wobei jede Iteration die wechselnden Geschicke der Hohenzollern-Familie widerspiegelt:

Die erste Burg (11.-15. Jahrhundert)

Die ursprüngliche Burg Hohenzollern wurde im frühen 11. Jahrhundert von der Burchardinger-Familie, den Vorfahren der Hohenzollern, erbaut. Diese mittelalterliche Festung diente als militärischer Stützpunkt während des Investiturstreits zwischen dem Heiligen Römischen Kaiser und dem Papst. Die Burg spielte eine entscheidende Rolle in den regionalen Machtkämpfen:

  • Strategische Lage: Auf einer 234 Meter hohen (767 Fuß) Felsplatte erbaut, beherrschte sie die wichtigen Handelswege zwischen Rhein- und Donautal.
  • 10-monatige Belagerung (1423): Die Burg wurde nach einer langwierigen Belagerung während des "Hohenzollern-Krieges" zwischen der Grafschaft Württemberg und der Hohenzollern-Familie vollständig zerstört. Die Zerstörung war so gründlich, dass es über zwei Jahrhunderte dauerte, bis die Stätte wieder aufgebaut wurde.
  • Mittelalterliches Leben: Die Burg beherbergte Ritter, Bedienstete und bot Zuflucht für lokale Bauern in Zeiten des Konflikts.

Die zweite Burg (15.-18. Jahrhundert)

Der Wiederaufbau begann 1454 unter Graf Jobst Nikolaus I. Diese Renaissance-Burg war mehr ein Wohnpalais als eine Verteidigungsfestung und spiegelte die sich verändernde Natur der europäischen Kriegsführung wider:

  • Renaissance-Architektur: Die neue Burg verfügte über komfortablere Wohnräume und dekorative Elemente, die typisch für die Renaissance-Periode waren.
  • Familiensitz: Sie diente als primäre Residenz für die Hohenzollern-Grafen und späteren Fürsten.
  • Niedergang: Bis zum späten 18. Jahrhundert war die Burg verfallen, da die Familie in modernere Residenzen in Berlin und Potsdam zog.
  • Abriss: Der größte Teil der zweiten Burg wurde zwischen 1789 und 1798 abgerissen, wobei nur die Kapelle und einige Fundamentmauern erhalten blieben.

Die dritte Burg (19. Jahrhundert)

Die prächtige Struktur, die wir heute sehen, wurde zwischen 1846 und 1867 von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen erbaut. Dies war eine bewusste Anstrengung, ein Familiendenkmal und Symbol preußischer Macht zu schaffen:

  • Romantischer Nationalismus: Inspiriert von der englischen Neugotik und den romantischen Burgen des Loire-Tals, sollte sie die mittelalterliche Pracht der Hohenzollern-Dynastie heraufbeschwören.
  • Architektonische Inspiration: Das Design bezog sich aus verschiedenen Quellen, einschließlich englischer Burgen wie Windsor und französischer Schlösser wie Chambord.
  • Bauherausforderungen: Der Bau auf der steilen Felsplatte erforderte innovative Ingenieurskunst, einschließlich der Schaffung künstlicher Terrassen und des Transports von Baumaterialien den Berg hinauf.
  • Kosten und Kontroversen: Das Projekt kostete 2,5 Millionen preußische Thaler (entsprechend etwa 10 Millionen Euro heute) und führte zu öffentlichen Debatten über die Ausgaben.

Architektonische Pracht: Ein neugotisches Meisterwerk

Die Burg Hohenzollern ist ein Lehrbuchbeispiel für den Historismus des 19. Jahrhunderts und verbindet verschiedene architektonische Stile zu einem zusammenhängenden Ganzen:

Das Äußere: Türme und Terrassen

  • Der Hauptturm: 67 Meter (220 Fuß) hoch, dient er als visueller Mittelpunkt und bietet Panoramablicke auf die umliegende Landschaft.
  • Drei Terrassen: Künstlich geschaffene Plattformen auf verschiedenen Ebenen bieten Platz für Gebäude und Gärten.
  • Gotische Elemente: Spitzbögen, dekorative Zinnen und aufwändige Steinmetzarbeiten überall.
  • Farbschema: Der charakteristische rote Sandstein der Burg kontrastiert schön mit den grünen Wäldern unten.

Das Innere: Königliche Gemächer und Säle

  • Rittersaal: Ein grandioser Raum, der bis zu 400 Gäste für Bankette und Zeremonien aufnehmen konnte.
  • Königliche Gemächer: Prunkvoll dekorierte Räume, einschließlich des Kaiser-Schlafzimmers, des Königinnenzimmers und verschiedener Empfangssäle.
  • Die Kapelle: Der älteste erhaltene Teil der Burg aus dem 15. Jahrhundert mit atemberaubenden gotischen Glasfenstern.
  • Waffenkammer und Trophäenraum: Zeigt Waffen und Jagdtrophäen aus verschiedenen Epochen.

Die kaiserliche Schatzkammer: Kronjuwelen und königliche Artefakte

Die Schatzkammer der Burg beherbergt historische Artefakte von immensem Wert und macht sie zu einer der wichtigsten historischen Sammlungen Deutschlands:

Die Krone von Wilhelm II.

Das Highlight ist die Krone von Wilhelm II., des letzten deutschen Kaisers. Dieses prächtige Stück wurde 1889 für die Krönung geschaffen, die niemals stattfand:

  • Design: Verziert mit 140 Diamanten, 18 Saphiren und einem großen Smaragd. Die Krone wiegt 945 Gramm und ist 33 cm hoch.
  • Historischer Kontext: Die Krönung Wilhelms II. wurde aufgrund des Todes seines Großvaters abgesagt, sodass die Krone niemals offiziell verwendet wurde.
  • Materialien: Aus Gold, Silber und Edelsteinen gefertigt, repräsentiert sie den Reichtum und die Macht des Deutschen Kaiserreichs.

Andere Schätze

  • Uniform Friedrichs des Großen: Die tatsächliche Uniform, die der legendäre preußische König während des Siebenjährigen Krieges trug.
  • Washington-Brief: Ein persönlicher Brief von US-Präsident George Washington, in dem er Baron von Steuben (einem Hohenzollern-Nachkommen) für seinen Dienst im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg dankt.
  • Preußischer Königsschmuck: Eine Sammlung von Ringen, Halsketten und zeremoniellen Objekten verschiedener preußischer Monarchen.
  • Historische Dokumente: Briefe, Erlasse und Stammbäume, die die Geschichte der Hohenzollern-Dynastie dokumentieren.

Die Burg-Gärten und Umgebung

Die Burg ist von wunderschön gestalteten Gärten umgeben, die ihren romantischen Reiz verstärken:

  • Terrassengärten: Formelle Gärten auf den künstlich geschaffenen Terrassen mit Springbrunnen und Statuen.
  • Waldwanderungen: Der umliegende Hohenzollern-Wald bietet Wanderwege mit malerischen Ausblicken.
  • Panoramablicke: An klaren Tagen können Besucher bis zu 100 km weit sehen, einschließlich Schwarzwald und Alpen.
  • Jahreszeitliche Displays: Verschiedene Bereiche der Gärten blühen das ganze Jahr über und bieten ständig wechselnde Landschaften.

Königliche Verbindungen und historische Bedeutung

Die Burg Hohenzollern repräsentiert den Höhepunkt der preußischen und deutschen Kaiser-Geschichte:

  • Familienvermächtnis: Die Burg gedenkt des Aufstiegs der Hohenzollern-Dynastie von schwäbischen Grafen zu deutschen Kaisern.
  • Preußische Macht: Sie symbolisiert die Vereinigung Deutschlands unter preußischer Führung 1871.
  • Europäischer Kontext: Die Burg spiegelt den 19. Jahrhundert romantischen Nationalismus wider, der Europa durchzog.
  • Moderne Relevanz: Noch immer im Privatbesitz der preußischen Königsfamilie, repräsentiert sie die einzige verbleibende Monarchie in Deutschland.

Ihren Besuch planen: Praktische Informationen

Öffnungszeiten und Eintritt

  • Öffnungszeiten: Täglich von 9:00 bis 17:30 Uhr (April bis Oktober), 10:00 bis 16:30 Uhr (November bis März)
  • Eintritt: 12 € für Erwachsene, 9 € für Kinder und Studenten. Kombi-Ticket mit Shuttlebus erhältlich.
  • Geführte Touren: In mehreren Sprachen verfügbar, einschließlich Englisch und Deutsch.

Anreise und Zugänglichkeit

  • Mit dem Auto: Parkplatz am Fuße des Berges verfügbar. Der Shuttlebus braucht 8 Minuten zur Burg.
  • Öffentliche Verkehrsmittel: Zug zum Bahnhof Hechingen (ca. 6 km entfernt), dann Taxi oder Bus zum Burgparkplatz.
  • Zu Fuß: Ein steiler 20-30-minütiger Aufstieg durch den Wald (nicht empfohlen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen).
  • Shuttlebus: Die meisten Besucher nutzen den Shuttlebus (2,50 € Hin- und Rückfahrt), um den steilen Aufstieg zu vermeiden.

Was man sehen und tun kann

  • Kaiserliche Schatzkammer: Verpassen Sie nicht die Kronjuwelen und königlichen Artefakte.
  • Panoramablicke: Verbringen Sie Zeit auf den Terrassen und genießen Sie die atemberaubenden Ausblicke.
  • Kapellenbesuch: Die historische Kapelle ist ein friedlicher Ort zum Nachdenken.
  • Audioguide: In 12 Sprachen verfügbar, um Ihren Besuch zu verbessern.

Spezielle Events und Tipps

  • Weihnachtsmarkt: Die Burg veranstaltet einen der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands (Königlicher Winterzauber), bei dem der Innenhof und die Gärten mit Tausenden von Lichtern beleuchtet sind.
  • Sommer-Events: Mittelalterliche Festivals und Konzerte finden während der Sommersaison statt.
  • Fotografie: Die Burg bietet endlose Fotomöglichkeiten, besonders bei Sonnenuntergang.
  • Restaurant: Die Burg verfügt über ein Restaurant, das schwäbische Küche mit Panoramablick serviert.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Burg Hohenzollern noch im Besitz der Königsfamilie?
Ja, im Gegensatz zu vielen deutschen Burgen ist Hohenzollern immer noch im Privatbesitz der preußischen Königsfamilie, speziell von Georg Friedrich, Prinz von Preußen.
Kann ich die Krone tragen?
Nein, die Krone ist ein unschätzbares Artefakt und kann nicht berührt oder getragen werden von Besuchern. Es gibt jedoch Replikate für Fotos in einigen Souvenirläden.
Wie lange dauert ein Besuch?
Planen Sie 2-3 Stunden ein, um die Burg gründlich zu sehen, einschließlich Schatzkammer, Gärten und Panoramablicke.
Ist die Burg rollstuhlgerecht?
Das Burgareal ist mit dem Shuttlebus zugänglich, aber das Innere hat Treppen und enge Passagen, die möglicherweise nicht für Rollstühle geeignet sind.
Was unterscheidet Hohenzollern von Neuschwanstein?
Während beide 19. Jahrhundert romantische Burgen sind, ist Hohenzollern ein Familiendenkmal mit echten königlichen Artefakten, wohingegen Neuschwanstein mehr eine Märchen-Fantasieburg ist, die für den Traum eines Mannes gebaut wurde.